Mopsfledermaus
Mopsfledermaus
Barbastella barbastellus
Beschreibung
Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) ist die einzige ihrer Gattung in Europa. Als Quartiere werden Spalten an Gebäuden, hinter abstehender Baumrinde und in Stammrissen bezogen. Alt- und totholzreiche Wälder sind für diesen Spaltenbewohner von überragender Bedeutung (Steck und Brinkmann 2015).
Erkennungsmerkmale
Die mopsartig gedrungene Schnauze, von welcher ihr Name herrührt, sowie die an der Basis zusammengewachsenen nach vorne gerichteten Ohren machen diese seltene Fledermaus unverwechselbar. Fell, Flügel und Gesicht sind dunkelbraun bis schwarz gefärbt (Braun und Dieterlen 2003).
Vorkommen in Baden-Württemberg
Die Mopsfledermaus bewohnt strukturreiche Laub- und Mischwälder in waldreichen Gebieten mit Fließgewässern und Saumstrukturen.
Lebensraum
Nahrungshabitat
- Nahrung: nachtaktive Fluginsekten, insbesondere Nachtfalter (Nahrungsspezialist).
- (Lichte) Laubwälder und Waldlebensräume mit hohem Insektenaufkommen, also vor allem alle Innen- und Außensäume entlang von Wegen und Gewässern sowie Lichtungen und aufgelichtete Altbestände.
- Baumreihen, Hecken, Streuobst und Gewässer in Waldnähe.
Quartiernutzung
- Sommerquartiere und Wochenstuben: reichlich Spaltenquartiere unter abstehender Rinde und in Stammrissen beschädigter und toter Bäume in weitgehend geschlossenen Beständen. Regional auch an Gebäuden.
- Winterquartiere: Höhlen, Stollen, Tunnel, Keller oder Felsspalten, gelegentlich auch Baumspalten.
Lebensweise
- Waldorttreue Art (enge Habitatbindung).
- Wochenstubenkolonien nutzen einen Quartierverbund mit fast täglichem Wechsel der Quartiere. Abstände < 1 km.
- Sommerliche Aktionsräume meist in bis zu 4-5 km Entfernung zu den Wochenstuben; Orientierung an Leitlinien (z. B. Hecken, Ufergehölze) beim Flug in die Jagdgebiete.
- Winterquartiere (Nov. – März) 10-50 km von Sommerlebensräumen entfernt.
- Wochenstubenzeit: April bis August.
- Paarungszeit ab August.
Empfohlene Schutz- und Fördermaßnahmen
Von welchen Forstbetriebsarbeiten profitiert die Art?
- Erhalt bekannter Wochenstubenkolonien.
- Erhalt von Habitatbäumen und Habitatbaumanwärtern, insb. Dürrständern mit abstehender Rinde, Rissen oder Spalten z. B. über das AuT-Konzept ForstBW mit Integration von Quartierzentren in Waldrefugien.
- Förderung von Lichtbaumarten (v. a. Eiche, Birke, Weiden (Nachtfalter!)).
- Entnahme von Baumarten mit verminderter Insektenfauna, z. B. Fremdbaumarten, ausgenommen Quartierbäume.
- (Temporäre) Erhaltung lichter und offener Waldstrukturen (kleine Lichtungen, Schneisen, Blößen) im Zuge der Waldverjüngung.
- Waldrandpflege, die breite (10 bis 20 m), gestufte Waldränder mit starkkronigen Bäumen und insektenträchtigen Baum- und Straucharten erhält bzw. herstellt.
- Erhaltung überschirmter Fahrwege.
Spezielle Pflegemaßnahmen (unter Beachtung des jeweiligen MaP) * Dauerhaftes oder zeitweiliges Offenhalten von lichten Strukturen und stufig aufgebauten Saumbereichen – auch entlang Gewässern-, die über eine Waldrandpflege hinausgeht. * Entwicklung von Rindenquartieren z. B. durch Ringeln. * Ausweisung von Prozessschutzflächen.
Welche Forstbetriebsarbeiten können erhebliche Beeinträchtigungen darstellen?
- Entnahme von Habitatbäumen mit Spaltenquartieren im Zuge der Vorratspflege.
- (Vollständige) Entnahme von abgestorbenen Bäumen mit Spaltenquartieren bei Sanitärhieben nach Kalamitäten (v. a. von Fichte und Buche).
- Anbau von standortsfremder Bestockung (z. B. Fichte) entlang von Gewässern.
- Umbau von strukturreichen Laub- und Mischwäldern in strukturarme Nadelbaumbestände.
- Holzernte während der Aktivitätszeit von März/April – Okt. im Umfeld von Quartierbäumen.
Landesweite Erhaltungsziele mit Waldbezug
- "Erhaltung von strukturreichen Laub- und Laubmischwäldern mit Waldinnen- und -außenrändern, gewässerbegleitenden Gehölzbeständen und großflächigen Streuobstwiesen.
- Erhaltung einer nachhaltigen Ausstattung der Lebensräume mit geeigneten Habitatbäumen, insbesondere mit Spalten hinter abstehender Borke und Höhlen als Wochenstuben-, Sommer-, Zwischen- und Winterquartiere einschließlich einer hohen Anzahl an Wechselquartieren für Wochenstubenverbände, auch im Hinblick auf die Einflugsituation.
- Erhaltung von geeigneten, störungsfreien oder störungsarmen Höhlen, Stollen, Kellern, Tunneln, Gebäuden und anderen Bauwerken als Winter- oder Schwärmquartiere, auch im Hinblick auf die Einflugsituation.
- Erhaltung von für die Mopsfledermaus zugänglichen Spaltenquartieren in und an Gebäuden, insbesondere Fensterläden oder Verkleidungen, als Wochenstuben-, Sommer- und Zwischenquartiere.
- Erhaltung von geeigneten klimatischen Bedingungen in den Quartieren, insbesondere eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine günstige Temperatur in den Winterquartieren.
- Erhaltung eines ausreichenden und dauerhaft verfügbaren Nahrungsangebots, insbesondere von flugaktiven Insekten im Wald und in den Streuobstwiesen.
- Erhaltung des räumlichen Verbunds von Quartieren und Jagdhabitaten ohne Gefahrenquellen sowie von funktionsfähigen Flugrouten entlang von Leitlinien." (FFH-Verordnungen der Regierungspräsidien, FFH-VO 2018, Anlage 1)
Resümee
Klimaxart. Soweit in reich strukturierten Laubwaldgebieten (Alt-) Bestände mit vielen (>100!) Spaltenquartieren (z.B. in Waldrefugien) vorkommen, sind wesentliche Voraussetzungen für die Erhaltung der Mopsfledermaus im Wald geschaffen. Darüber hinaus ist der Anteil an insektenreichen Saumstrukturen (Waldinnen- und –außenränder) sowie Lichtungen als Jagdlebensräume für die Habitatqualität relevant. Innerhalb von FFH-Gebieten ist der jeweilige Managementplan zu beachten.
Weitere Informationen
Wenn nicht anders angegeben, stammen die Informationen aus den Praxishilfen Natura 2000-Arten: Landesforstverwaltung BW (Hrsg.) (2026): „Praxishilfen Natura 2000-Arten – Waldbewirtschaftung in Habitaten von Natura 2000-Arten“. 30 Seiten, Stuttgart.
Weiterführende Informationen
- Im Portrait - die Arten und Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie.
- BfN Anhang-IV-Arten: Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus).
- Steck, C. & Brinkmann, R. (2015): Wimperfledermaus, Bechsteinfledermaus und Mopsfledermaus. Einblicke in die Lebensweise gefährdeter Arten in Baden-Württemberg. 200 S. Verlag Haupt: Bern.
- Braun, Monika, ed. (2003) Die Säugetiere Baden-Württembergs. 1. Allgemeiner Teil, Fledermäuse (Chiroptera). Ulmer.
- Meschede, A., Heller, K. G., & Leitl, R. (2000): Ökologie und Schutz von Fledermäusen in Wäldern. Bundesamt für Naturschutz.
- Stamm
- Chordata
- Familie
- Vespertilionidae
- Gattung
- Barbastella
- Art
- Barbastella barbastellus
-
Wuchsgebiete
- Neckarland
- Odenwald
- Schwäbische Alb
-
Waldtypen
- Auwälder / Bruchwälder
- Moorwälder
- Nadelwälder
- Trockenwälder
-
Habitatstrukturen
- Alte Bäume / Habitatbäume (lebend)
- Höhlen / Stollen / Bunker
- Totholz
- AuT-Konzept
- Bannwaldprogramm
- Bestand
- Priorität:
hoch - Rote Liste BW:
Vom Aussterben bedroht (1) - Rote Liste DE:
Stark gefährdet (2) -
Bundesnaturschutzgesetz:
4 - Natura 2000 / Vogelschutzrichtlinie:
- Anhang II
- Anhang IV
Autoren
- Liegl, Gerhild
Bildautoren
- Ballenthien, Elena
- Jonker, Marlotte
Quellen
- Die Säugetiere Baden-Württembergs: Allgemeiner Teil, Fledermäuse (Chiroptera).
- Die Fledermäuse Europas: kennen, bestimmen, schützen.
- Praxishilfe Mopsfledermaus Entwurf.
- An Aerial-Hawking Bat uses Stealth Echolocation to counter Moth Hearing. Current Biology 1568-1572. Abgerufen am 28.01.2021.
- Ökologie und Schutz von Fledermäusen in Wäldern: unter besonderer Berücksichtigung wandernder Arten: Teil I des Abschlussberichtes zum Forschungs-und Entwicklungsvorhaben" Untersuchungen und Empfehlungen zur Erhaltung der Fledermäuse in Wäldern".
- Quartierbaumwahl der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) im Alb-Wutachgebiet.
- Wimperfledermaus, Bechsteinfledermaus und Mopsfledermaus. Einblicke in die Lebensweise gefährdeter Arten..
- Rote Liste der gefährdeten Säugetiere in Baden-Württemberg. In: Die Säugetiere Baden-Württembergs (S. 263-272). Abgerufen am 21.03.2025.