Eurasischer Luchs

Eurasischer Luchs

Lynx lynx (Linnaeus, 1758)

Allgemein Bilder (3) Autoren und Quellen

Beschreibung

Der Eurasische Luchs oder Nordluchs (Lynx lynx) ist eine in Eurasien verbreitete Art der Luchse. Im deutschen Sprachgebrauch ist mit „Luchs“ fast immer diese Art gemeint. Nach dem Bären und dem Wolf ist er das größte Landraubtier, das in Europa heimisch ist.

Vorkommen in Baden-Württemberg

Seitdem die FVA 2004 mit dem Luchsmonitoring beauftragt wurde, gab es 185 gesicherte Luchsnachweise (Telemetriedaten sind hier nicht berücksichtigt). Dabei konnten insgesamt neun verschiedene männliche Luchse in Baden-Württemberg identifiziert werden. Bei sieben Tieren konnte die Zuwanderung aus der Schweiz nachgewiesen werden. Luchse sind sehr scheue Tiere; zudem schwankt ihre Anzahl in Baden-Württemberg durch Mortalität sowie Zu- und Abwanderungsprozesse(MLR 2019).

Da sich das Vorkommen im Schweizer Jura nach Osten ausdehnt, und es zunehmend gesicherte Nachweise grenznah in den Kantonen Basel Landschaft und Aargau gibt, ist die Zuwanderung einzelner Kuder (männlicher Luchse) über den Hochrhein weiterhin zu erwarten (FVA BW 2013). Die Bereitschaft der weiblichen Tiere zur Querung von ungeeigneten Habitaten, um neue Gebite zu erreichen, ist deutlich geringer ist als die der Kuder (MLR 2019).

Lebensraum

Der Luchs ist ein Bewohner ausgedehnter Waldgebiete und meidet großräumig offene Gebiete. Als Überraschungsjäger ist er beim Anschleichen seiner Beutetiere auf deckungsreiche Vegetation angewiesen. Er fühlt sich auf Meereshöhe bis hoch zur Waldgrenze in Gebirgen wohl (Haller & Breitenmoser 1986; Gossmann-Köllner & Eisfeld 1990; Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 1998).
Wenn genügend Beutetiere und Deckung vorhanden sind, kann der Luchs auch in unmittelbarer Nähe zum Menschen leben. Das wurde in der Schweiz, in den Vogesen und im Bayerischen Wald beobachtet. Wenn jedoch die Anwesenheit des Menschen und Deckungslosigkeit zusammenfallen, bleibt der Luchs fern (Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 1998; Gossmann-Köllner & Eisfeld 1990). Unbewaldete, dicht besiedelte Täler von mehr als 1 km Breite stellen erhebliche Habitatbarrieren dar (Haller & Breitenmoser 1986).

Lebensweise

Luchse leben als Einzelgänger und haben sehr große Aktionsräume von bis zu 1800 km². Innerhalb dieses Aktionsraumes gibt es regelmäßig durchstreifte Kerngebiete: Das Revier. In der Schweiz haben Luchsreviere eine Größe von 50 bis 200 km², durchschnittlich etwa 100 km². Erwachsene Luchse sind ortstreu und bewohnen über viele Jahre das gleiche Revier. Sie sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Das heißt, dass sie in der Regel nachts jagen und tagsüber in Deckung ruhen (Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 1998). Als Tagesruheplätze werden wettergeschützte Orte mit guter Deckung, meist in südexponierten Lagen, bevorzugt, etwa von Felsen überdachte oder durch umgestürzte Bäume geschützte Stellen (Hucht & Elstrodt 1983; Hucht-Ciorga 1988). Ähnliche Plätze werden von den Weibchen auch zur Jungenaufzucht genutzt. Als Lagerplatz für den Nachwuchs dienen Wurzelteller, Windwurfflächen, Felsspalten, Höhlen und verlassene Baue anderer Tiere. Die Nähe zu Menschen schließt die Nutzung eines geschützten Platzes nicht aus (Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 1998).

Verbreitung
Keine vollständige Verbreitung aufgrund lückenhafter Datenbasis
Systematik
Stamm
Chordata
Familie
Felidae
Gattung
Lynx
Art
Lynx lynx (Linnaeus, 1758)
Artengruppe
Säugetiere
Typ
JWMG
Fachkonzept
  • Bannwaldprogramm
Schutzstatus
  • Priorität:
    niedrig
  • Rote Liste DE:
    Vom Aussterben bedroht (1)

Autoren

  • Georgi, Maria
  • Klingberg, Elisabeth

Bildautoren

  • FotoshopTofs
  • Hoffmann, Domenic

Quellen

Breitenmoser, U. 1998
Grundzüge eines alpenweiten Schutzkonzepts für den Luchs. In: Der Luchs in Mitteleuropa. Schriftenreihe des LJV Bayern 5 : 7-10.
Breitenmoser, U. & Breitenmoser-Würsten, C. 1998
Der Luchs. Infodienst Wildbiologie & Oekologie, Biologie einheimischer Wildtiere.
FVA (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg) 2013
Grundlagen zur Erstellung von FFH-relevanten Managementplänen für den Luchs (Lynx lynx).
Gossmann-Köllner, S. & Eisfeld, D. 1990
Zur Eignung des Schwarzwaldes als Lebensraum für den Luchs (Lynx lynx, L. 1758). Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e.V. Freiburg i. Br N_15 : 177-246.
Haller, H. & Breitenmoser, U. 1986
Zur Raumorganisation der in den Schweizer Alpen wiederangesiedelten Population des Luchses Lynx lynx. Säugetierkunde 51 : 289-311.
Hucht-Ciorga, I. 1988
Studien zur Biologie des Luchses: Jagdverhalten, Beuteausnutzung, innerartliche Kommunikation und an den Spuren fassbare Körpermerkmale. Univ. Gießen 19 .
Hucht, I. & Elstrodt, W. 1983
Nutzungs von Lagerplätzen bei einem freilebenden Luchs, Lynx lynx, im hinteren Bayerischen Wald. Hauptvers. Dtsch. Gesellschaft Säugetierkunde Bonn .
MLR (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg) 2019
Wildtierbericht für Baden-Württemberg 2018. Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.
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