Eisvogel

Eisvogel

Alcedo atthis (Linnaeus, 1758)

Vorkommen in Baden-Württemberg

Der Eisvogel nutzt langsam fließende sowie stehende Gewässer, bevorzugt in strukturreichen Flussauen. Er brütet in meist selbstgegrabenen Höhlen in natürlichen Uferbereichen.

Lebensraum

Nahrungshabitat

  • Seine Nahrung besteht aus Kleinfischen und Insekten, die er aus klaren bis mäßig trüben Gewässern fischt.
  • Hochstubben, tote Äste und Totholz im Wasser als Ansitzwarten (< 2 m).
  • Strukturreiche Uferbestockung aus z. T. dichtem Gebüsch und tief beasteten Bäumen (v. a. Weide, Erle) mit über das Wasser ragenden Ästen und Zweigen für Deckung, Licht und Schattenwurf.

Bruthabitat

  • Prallhänge, Steilufer, Abbruchkanten und Böschungen (> 50 cm hoch).
  • Alternativ große Wurzelteller umgestürzter Bäume mit dicker Erdschicht sowie Abbruchkanten und Böschungen in offenem bis dicht bewaldetem Gelände, die auch mehrere hundert Meter vom Gewässer entfernt liegen können.
  • Wichtig ist stabiles und gleichzeitig weiches Substrat zum Graben der Brutröhre.

Lebensweise

  • Territorial; Aktionsraum bis mehrere Kilometer Gewässerstrecke bei suboptimalen Bedingungen.
  • Hohe natürliche Fluktuation; gravierende Bestandseinbrüche nach strengen Wintern.
  • Insgesamt Bestandszunahme.
  • Stand- und Strichvogel.
  • Fortpflanzungszeit: 15.02.–15.09.

Empfohlene Schutz- und Fördermaßnahmen

Von welchen Forstbetriebsarbeiten profitiert die Art?

  • Förderung einer naturnahen Uferbestockung, insbesondere aus Weiden und Erlen.
  • Einzelstammweise Nutzung und abschnittsweises Auf-den-Stock-setzen entlang der Ufersäume.
  • Belassen von Totholz, Hochstubben und anderen Ansitzwarten entlang und in Gewässern (Ansitzwarten).
  • Belassen von ausreichend mächtigen Wurzeltellern in Gewässernähe.

Spezielle Pflegemaßnahmen (unter Beachtung des jeweiligen MaP)

  • Wiedervernässung bzw. Revitalisierung ehemaliger Auenwälder u.a. durch Bereitstellung von Überflutungsflächen.
  • Zulassen gewässerdynamischer Prozesse (Entstehung von Ufersteilwänden).
  • Anlage und Pflege von Steilwänden (Brutwände) an Bach- und Flussufern.
  • Zulassen von Biberbauten.
  • Neuanlagen von Bachwassergespeisten Stillgewässern.

Welche Forstbetriebsarbeiten können erhebliche Beeinträchtigungen darstellen?

  • Anbau naturferner, strukturarmer Bestände (Pappel, Fichte) entlang von Gewässern. Komplettes Entfernen von gewässerbegleitenden Gehölzen.
  • Fällen von Bäumen im engeren Umfeld existierender Brutröhren, insb. während der Fortpflanzungszeit.
  • Hiebsmaßnahmen, die Prallhänge (potenzielle Brutplätze) destabilisieren oder durch Aufprall beschädigen.
  • Gewinnung von Wegebaumaterial in besiedelten Steinbrüchen/Kiesgruben im Wald.

Landesweite Erhaltungsziele mit Waldbezug

  • „Erhaltung der naturnahen Gewässer.
  • Erhaltung von Steilwänden und Abbruchkanten aus grabbarem Substrat in Gewässernähe.
  • Erhaltung von für die Brutröhrenanlage geeigneten Wurzeltellern umgestürzter Bäume in Gewässernähe.
  • Erhaltung von Strukturen, die als Ansitz für die Jagd genutzt werden können, wie starke Ufergehölze mit über das Gewässer hängenden Ästen.
  • Erhaltung einer Wasserqualität, die gute Sichtbedingungen für den Beutefang gewährleistet.
  • Erhaltung einer Gewässerdynamik, die die Neubildung von zur Nestanlage geeigneten Uferabbrüchen ermöglicht.
  • Erhaltung von Sekundärlebensräumen wie aufgelassenen Abbaustätten mit Gewässern und Steilufern.
  • Erhaltung des Nahrungsangebots mit Kleinfischarten und Jungfischaufkommen.
  • Erhaltung störungsfreier oder zumindest störungsarmer Fortpflanzungsstätten während der Fortpflanzungszeit (15.02. – 15.09.).“ (Zitat aus VSG-VO v. 05.02.2010; Anlage 1)

Resümee

Wesentlich ist der Erhalt natürlicher Steilufer und sauberer Gewässer im Wald, ergänzt durch das AuT-Konzept, mit dem eine natürliche, strukturreiche Gehölzvegetation entlang der Gewässer geschützt wird.

In Vogelschutzgebieten ist der jeweilige Managementplan zu beachten!

Weitere Informationen

Wenn nicht anders angegeben, stammen die Informationen aus den Praxishilfen Natura 2000-Arten: Landesforstverwaltung BW (Hrsg.) (2026): „Praxishilfen Natura 2000-Arten – Waldbewirtschaftung in Habitaten von Natura 2000-Arten“. 30 Seiten, Stuttgart.

Weitere Informationen

Verbreitung
Systematik
Stamm
Chordata
Familie
Alcedinidae
Gattung
Alcedo
Art
Alcedo atthis (Linnaeus, 1758)
Artengruppe
Vögel
Typ
Natura 2000
Lebensraum
  • Habitatstruktur
    • Gewässer / Feuchtstandorte
Fachkonzept
  • AuT-Konzept
  • Gewässerschutz
Schutzstatus
  • Priorität:
    niedrig
  • Rote Liste BW:
    Vorwarnliste (V)
  • Rote Liste DE:
    (*) Ungefährdet
  • Bundesnaturschutzgesetz:
    3

Autoren

  • Sidonio-Rosas, Georgette
  • FVA (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg)

Bildautoren

  • Balog, Robert
  • Brönnimann, Felix
  • Schlüter, Timo

Quellen

FVA (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg) & LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) 2020
Praxishilfe Eisvogel Entwurf.
Hölzinger, J. & Mahler, U. 2001
Die Vögel Baden-Württembergs, Nicht-Singvögel 3.
Kramer, M. & Bauer, H. 2022
Rote Liste der Brutvögel Baden-Württembergs. 7. Fassung, Stand 31.12.2019. – Naturschutz-Praxis Artenschutz 11.. Abgerufen am 21.03.2025.